Freie Software - Ideen für eine andere Gesellschaft (www.oekonux.de)


Ausarbeitung zur Open-Source-Vorlesung bei Professor H. Högl (FHA 2005)



Armin Ostermeier (armost@rz.fh-augsburg.de)

25.06.2005



In diesem Projekt untersuchen die unterschiedlichsten Menschen mit den unterschiedlichsten Meinungen und den unterschiedlichsten Herangehensweisen die ökonomischen und politischen Formen Freier Software. Eine wichtige Frage ist, ob die Prinzipien der Entwicklung Freier Software eine neue Ökonomie begründen können, die als Grundlage für eine neue Gesellschaft dienen könnte.
(Zitat von http://www.oekonux.de/index.html)

Projektbeschreibung

Die Mitglieder kommunizieren miteinander über eine zentrale majordomo-Mailing-Liste (für Deutschland: liste@oekonux.de), die nicht moderiert wird. Wenn man sicher sein will, dass die eigene Nachricht alle Mitglieder erreicht, sollte man selber ebenfalls angemeldetes Mitglied sein.

Trägt man sich ernsthaft mit dem Gedanken selbst einen Beitrag zu leisten, wird man gebeten gewisse Gepflogenheiten einzuhalten, die sich im Laufe der Zeit unter den Mitgliedern herausgebildet haben und eine Art „Listenkultur“ bilden. Hierzu gehört unter anderem, dass man nur themenrelevante Mails verschickt und diese auch nie gleichzeitig an mehrere Listen.

(siehe http://www.oekonux.de/liste/index.html und http://www.oekonux.de/liste/subscribe.html)


Das Projekt wird vorwiegend virtuell über die Mailing-Liste und die Web-Seite des Projektes vorangetrieben. Der deutschsprachigen Seite hat sich im Laufe der Zeit eine internationale (http://www.oekonux.org/) Projekt-Seite angeschlossen, die auch ihre eigene Mailing-Liste besitzt (http://www.oekonux.org/list-en/). Die diskutierten Inhalte haben als zentralen gemeinsamen Bezugspunkt die Freie Software und deren (potentielle) gesellschaftliche Auswirkungen. Darüber hinaus ist der Rahmen relativ weit gesteckt. Die ziemlich weit gestreute geistige Herkunft der Teilnehmer impliziert gerade, dass es keine einheitliche Meinung gibt. Der Zugang zu den Inhalten und auch das eigene Mitwirken ist nicht an eine Mitgliedschaft gebunden, jedoch sollte man die schon erwähnten Gepflogenheiten einhalten. Die Organisation des deutschsprachigen Projekts findet über die Mailing-Liste projekt@oekonux.de statt, indem sich einige Aktive Gedanken über den Fortgang des Projekts machen. Auch Anfragen von Außen werden über diese Liste bearbeitet. Jedoch gibt es für das Projekt keinen Träger im engeren Sinne, auch wenn es aus privater Initiative entstanden ist. Ende 2001 wurde ein Verein angemeldet, der als juristische Person das Projekt im Bedarfsfall nach Außen vertritt. Alle Entscheidungen laufen aber seitdem weiterhin über die etablierten Strukturen ab.

(siehe http://www.oekonux.de/index.html)

Zur Geschichte von Oekonux

(http://www.oekonux.de/index.html)

Die Einführung - OekoNux


Das Projekt verfügt über eine umfangreiche Einführung, die unter der Bezeichnung „OekoNux“ bekannt ist (was für „Oekonux Einführungskladde ohne Nutzungsexklusion“ steht). Sie bezieht ihren Inhalt hauptsächlich aus den Vortragsunterlagen von Stefan Merten, Benni Bärmann und LutzH.

(siehe http://www.oekonux.de/einfuehrung/index.html)


Im folgenden werden deren Inhalte stichpunktartig zusammengefasst:


(siehe http://www.oekonux.de/einfuehrung/kladde/index.html)


Projekt Oekonux e.V.

Der Verein dient lediglich als juristische Hülle für das Projekt. Alle wichtigen Dinge werden nach wie vor durch die etablierten Strukturen, insbesondere projekt@oekonux.de entschieden und abgewickelt. Der Verein ist am 18.4.2002 vom Amtsgericht Kaiserslautern ins Vereinsregister eingetragen worden (AZ: VR 2329 Kai). Die Gemeinnützigkeit wird derzeit nicht verfolgt.
(http://www.oekonux.de/projekt/verein/index.html)

Spenden an das Projekt sind natürlich willkommen und werden hauptsächlich für die Konferenzen benötigt.

Im Gründungsprotokoll wurde Stefan Merten als Vorsitzender, Lutz Horn als Schatzmeister und Stefan Meretz als Schriftführer vorgeschlagen und gewählt. Es wurde entschieden, dass ordentliche Mitglieder mindestens 5 Euro und Fördermitglieder des Vereins mindestens 20 Euro als Jahresbeitrag zu leisten haben. Für Vereinsmitglieder gibt es eine eigene Mailing-Liste. Jedes Jahr finden Mitglieder-Versammlungen statt, deren Ergebnisse bisher im Internet zusammengefasst wurden (http://www.oekonux.de/projekt/verein/versammlungen/index.html).

Auszug aus der Satzung des Vereins:

§1 Name, Sitz
  1. Der Verein führt den Namen Projekt Oekonux. Nach Eintragung in das Vereinsregister führt er den Zusatz e.V.
  2. Der Verein hat seinen Sitz in Kaiserslautern.
§2 Aufgabe, Zweck
  1. Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke [...]
  2. Zweck des Vereins ist die theoretische und praktische Förderung der Erforschung der gesellschaftlichen Auswirkungen der Prinzipien der Freien Software-Entwicklung. Dabei soll der Einzelne entsprechend seinen realen Möglichkeiten und Bedürfnissen befähigt werden, diese Prinzipien zu erkennen und weiterzudenken. Der Verein betreibt geeignete Projekte zur Realisierung dieser Zielsetzung, darunter Mailing-Listen und Konferenzen. Zweck des Vereins ist insoweit die Förderung der Selbstentfaltung des Menschen. Zu diesem Zweck betreibt der Verein verschiedene Kommunikationseinrichtungen insbesondere im Internet. [...]
§6 Organe des Vereins
Organe des Vereins sind:
  1. die Mitgliederversammlung,
  2. der Vorstand.
§7 Mitgliederversammlung
  1. In der Mitgliederversammlung hat jedes ordentliche Mitglied eine Stimme.
  2. Die Mitgliederversammlung hat folgende Aufgaben:
    1. Beschluß über Satzungsänderungen und die Auflösung des Vereins,
    2. Beschlußfassung über den Haushaltsplan,
    3. Entgegennahme und Genehmigung des Geschäftsberichts und der Jahresrechnung, Entlastung des Vorstandes,
    4. Wahl der Vorstandsmitglieder gemäß §11 Abs. 1,
    5. Wahl der Revisoren. [...]
§11 Vorstand
  1. Der Vorstand im Sinne des §26 BGB besteht aus dem Vorsitzenden, dem Schatzmeister und dem Schriftführer.
  2. Jedes Vorstandsmitglied ist einzeln zur Vertretung des Vereins berechtigt.
  3. Die Amtsdauer des Vorstandes beträgt zwei Jahre. [...]

Kritik an Oekonux

Das Reproduktionsproblem: Die Frage, ob die Produktions-Prinzipien der Freien SW verallgemeinerbar sind, steht und fällt mit dem Problem der materiellen Produktion. Es ist eine Sache, wenn am Beispiel der Freien SW deutlich wird, dass im immateriellen Bereich eine Änderung des Denkens möglich ist. Das globale Netz und die Leichtigkeit einer Reproduktion, sowie das kostenfreie Angebot vieler Dienste machen eine derartige Einstellung möglich. Etwas ganz anderes ist es, ein materielles Produkt herzustellen, zu transportieren und womöglich noch vor Umwelteinflüssen und Zerfall (Haltbarkeit) zu bewahren. Hier wäre tatsächlich ein Replikator wie in Star Trek von Nöten, der praktisch erst am Zielort eine physikalische Ausprägung des immateriellen Objektes ermöglicht (und/oder ein Ort-Zu-Ort-Transporter wie in selbiger Serie dargestellt). Leider sind unsere technischen Möglichkeiten bei weitem nicht so ausgereift. Abgesehen davon würde sich selbst dann noch die Energiefrage stellen, da die Erzeugung von materiellen Strukturen enorme Mengen an Energie benötigen muss.

Das historische Argument: Wie schon weiter oben erwähnt, bietet sich eine Parallele zwischen der industriellen Revolution und der heutigen Situation an. Es wird auch viel vom so genannten Fünfschritt einer Keimform erzählt, wonach sich die Freie SW zur Zeit in der dritten Phase befände. Jedoch lässt sich historisch nicht ein für alle mal beweisen, dass dieser Prozess wirklich in diesem Fünfschritt stattgefunden hat, noch dass dieser auf die heutige Situation Anwendung finden muss. Seit wann hält sich die Geschichte an irgend welche Gesetze? Außerdem kann es in einer Zeit der Ölkrise und der Wasserarmut auch nicht ganz stimmen, dass die primären Wirtschaftssektoren immer unwichtiger werden.


Das Argument der gesellschaftlichen Erzeugung von Knappheit: Es mag im immateriellen Bereich durchaus der Fall sein, dass Knappheit künstlich durch Patente und Urheberschaften erzeugt wird, doch kann dies nicht direkt auf die materielle Welt umgemünzt werden. Hier gibt es einfach ein bestimmtes Vorkommen von Rohstoffen oder Gütern und diese Begrenztheit wird nicht (nur) künstlich erzeugt, auch wenn bestimmte Produktionsmittel zur Gewinnmaximierung in vermindertem Umfang eingesetzt werden.


Nicht nur freiwillige Hobbyisten: Das erstaunliche an Freier SW ist gerade, dass es viele verschiedene Kräfte gibt, die sie vorantrieben, darunter auch globale Konzerne und Nationalstaaten, und eben nicht nur sich selbst entfaltende Individuen. Gerade aber die Beteiligung mächtiger Spielpartner fehlt momentan noch komplett bei der geplanten Umsetzung der Ideale Freier SW auf andere Bereiche, und selbst wenn es derartige Beteiligungen gäbe, müssten sich die Interessen noch lange nicht mit denen der kleineren Leute treffen. Es fehlt momentan einfach der materielle Anreiz.

(siehe: Die Brötchenfrage http://www.oekonux-konferenz.de/dokumentation/texte/index.html)